TESTO DEL LIED

"Das Switesmädchen"
di Carl von Blankensee

Wer ist der Jüngling, lieblich zu schauen? Wer ist daneben die Dirne? Dort an des Swites Wassern, den blauen, Gehn sie beim Glanz der Gestirne.
Sie aus dem Korbe reichet ihm Beeren, Er zu dem Kranz ihr die Blüten. Leichtlich aus Allem läßt sich erklären, Daß für einander sie glühten.
Jegliche Nacht schon sehen sich Beide, Dort, wo der Lärchenbaum raget. Er ist ein Schütze hier in der Haide. Wer ist das Mädchen? Nicht fraget!
Nie, wo sie herkam, ließ sich erspähen, Nie, wo sie hinging, ergründen, Kommt, wie die Lilie taucht aus den Seen, Gehet, wie Irrlichter schwinden.
»Sprich, das Geheimnis, was soll es frommen? Liebliche Maid aus den Hainen, Sprich, welche Pfade bist du gekommen? Wo ist dein Haus, wo die Deinen?
Sommer entschwindet, Blätter erstarren, Regnichter Herbst kommt gezogen; Soll ich dein Nahen immer erharren Hier an dem Strande der Wogen?
Wirst du denn immer, scheu gleich dem Rehe, Dich in die Waldnacht entrücken? Ihn, der dich liebet, laß deine Nähe, Mich laß sie, Teure, beglücken!
Nah' ist mein Hüttchen, klein zwar und enge, Hinter des Haselstrauchs Hülle; Milch dort und Früchte hab' ich die Menge, Habe dort Wildpret die Fülle.«
»Schweige, Verwegner!« rufet die Schöne, »Weiß, wie der Vater mich warnte: Männermund hauchet Nachtigalltöne, Flieh', eh' der Fuchs dich umgarnte.
Mehr ist zu fürchten euer Betören, Als euren Gluten zu trauen. Möchte vielleicht dein Flehen erhören, Doch kann ich auch auf dich blauen?«
Nieder da kniet er, greift mit der Linken Sand, ruft der Hölle Gewalten, Schwört bei der Sterne heiligem Blinken, Doch wird den Eidschwurer halten?
»Halt' ihn, o Schütze, höre mein Mahnen: Denn wer den Eidschwur gebrochen, Hier schon im Leben wird es sich ahnen, Jenseit wird einst es gerochen!«
Sprach es das Mädchen, länger nicht weilend, Schmückte die Stirn mit dem Kranze, Grüßt noch den Schützen, weit, schon enteilend, Schwebet dahin wie im Tanze.
Fruchtlos der Schütze hinter sie strebet, Konnte die Flücht'ge nicht fassen, Leicht, wie ein Windhauch, war sie entschwebet, Er bleibt allein und verlassen;
Bleibet verlassen; durch die Moräste Kehrt er auf schwankenden Stegen, Rings ist es stille, raschelnde Äste Nur unterm Fuß sich ihm regen.
Ufer hinschweift er, irrend die Schritte, Irrend die Augen ihm flogen: Da in der Forst braust's, tief in der Mitte, Tosender schwellen die Wogen;
Tosender schwell'n sie, öffnen die Schlünde, Wunder, o nimmer erlebet!
Über des Swites silberne Gründe Hold eine Maid sich erhebet!
Feucht, wie von Morgens Tränen die Rosen, Strahlet ihr Antlitz hernieder, Leicht, wie ein Nebel, also umkosen Weh'nde Gewand' ihr die Glieder.
»Sag mir, o Jüngling, lieblich zu schauen, Sag's deiner liebenden Dirne, Was an des Swites Wassern, den blauen, Schweifst du beim Glanz der Gestirne?
Was um den Wildfang kannst du so bangen, Der dich verlockt in die Haiden, Stets dann entweichet deinem Verlangen Und wohl noch lacht deiner Leiden?
Mein Flehen höre, treu ist's gemeinet, Laße die Seufzer verhallen! Hierher! zu mir her! daß wir vereinet Gaukeln auf feuchten Krystallen!
Bald, wie die flücht'gen Schwalben, das frische Antlitz der Welle nur streifen, Bald, so gesund und froh wie die Fische, Plätschernd die Tiefen durchschweifen;
Nachts dann in Abgrunds silbernem Schoße, Unter den Zelten, den lichten, Sanft auf der Wasserlilien Moose Träumen von Himmelsgesichten.«
Da aus den Hüllen schimmern die Brüste, Schamhaft zum Boden hin schaut er. Siehe, sie naht sich schwebend der Küste: »Zu mir, komm zu mir, mein Trauter!«
Und wie der Regenbogen erglühend, Schwingt sie den Fuß durch die Lüfte; Tröpfchen dann wieder silberne sprühend, Teilt sie die wallenden Klüfte.
Hin eilt der Schütze, stehet dann säumend, Möcht' in die Fluten, und stocket, Bis eine Welle, rückwärts entschäumend, Sacht in ihr Gleis ihn verlocket,
So ihn verlocket, so ihn berauschet, Also das Herz ihm berücket, Wie wenn des Jünglings Hand unbelauschet Schamhaft die Liebende drücket.
Da hat der Schütze Liebchen vergessen, Achtet nicht Eidschwur und Warnung; Blind in die Tiefen eilt er vermessen, Folgend der neuen Umgarnung,
Eilet und schauet, schauet und eilet; Fort hat die Flut ihn gezogen. Ferne dem trocknen Strand er schon weilet, Koset in mitten der Wogen;
Hält schon die schneeige Hand ihr gefangen, Kann von dem Antlitz nicht lassen, Will an den ros'gen Lippen ihr hangen, Brünstig den Leib ihr umfassen.
Da weht ein Lüftchen, Nebel entschwinden; Frei von dem täuschenden Scheine Sieht er die Maid nun, glaubt zu erblinden: Ach!'s ist die Maid aus dem Haine!
»Wo ist der Eidschwur? wo ist mein Mahnen? Ja, wer den Eidschwur gebrochen, Hier schon im Leben wird es sich ahnen, Jenseit wird einst es gerochen!
Nie wirst im See du tändeln dich laben; Nie in die Tiefen du tauchen: Rächend den Leib wird Erde begraben, Kies dir verlöschen die Augen!
Aber die Seele, dort an dem Stamme
Soll sie Jahrtausende schmachten, Ewig erdulden höllische Flamme, Fruchtlos zu löschen sie trachten.«
Schütze vernimmt es; irrend die Schritte, Irrend die Augen ihm flogen. Da in der Forst braust's tief in der Mitte, Tosender schwellen die Wogen,
Tosender schwell'n sie, wall'n bis zum Grunde, Netzen dem Jüngling die Stirne; Auf tut der See sich, nieder zum Schlunde, Sinkt mit dem Jüngling die Dirne.
Tosend die Wogen heut noch sich heben, Heut noch beim Glanz der Gestirne Sieht man zwei nicht'ge Schatten dort schweben: 's ist mit dem Jüngling die Dirne.
Sie auf den Fluten lacht seinem Leide, Er unterm Lärchenbaum klaget. Wer ist der Jüngling? Schütz' aus der Haide. Wer ist das Mädchen? Nicht fraget!